Konzept Waldbau
Dem Wald helfen - ein Experiment
Der Wald steht heute «unter Druck wie nie», heisst es im Waldbericht des Bundesamtes für Umwelt, 2025. Dafür werden vor allem die Klimaerwärmung und die hohe Stickstofflast verantwortlich gemacht.
Bemerkenswerterweise wird die intensive, industrialisierte Holznutzung der letzten 20 Jahre nicht erwähnt. Noch nie wurden unsere Wälder so systematisch durchforstet und noch nie sind so schwere Maschinen für die Holzernte eingesetzt worden und trotzdem werden diese Faktoren nicht als Belastung für den Wald wahrgenommen.
Wälder «fit für die Zukunft machen»
Wegen diesem hohen Druck, will das Bundesamt für Umwelt zusammen mit ETH-Forst-WissenschaftlerInnen dem Wald helfen, indem sie ihn mit Bäumen der Zukunft aufforsten.
Nach Aussagen des Leiters der Schweiz. Forschungsanstalt, WSL, Rolf Holderegger, kennt man diese klimafitten Bäume noch nicht, die unseren Wald retten sollen. Das wird zur Zeit untersucht. Obwohl man die Bäume also noch nicht kennt und es deshalb auch noch keine bewährten Referenzflächen geben kann, werden viele und oft grosse Flächen vom einheimischen Wald abgeholzt und das Ökosystem weitgehend auf Null gesetzt.

Das Ersetzen der einheimischen Bäume durch unbekannte, sog klimafitte Bäume, nennt man Waldbau.
Dieser Waldumbau ist das grösste Experiment mit unserem Wald, dass man je gemacht hat.
Unbedacht oder unberücksichtigt
- →Grosse Lücken versetzen den Wald in einen immensen Stress. Es kommen Sonnenlicht und Wind in den Wald. Sie trocknen den Boden und das eigentlich kühl-frische Waldklima aus.
- →Sonnenlicht verändert die gesamte Flora und Flora grundlegend. Gerade unsere Hauptbaumart, die Buche, ist eine Schattenbaumart und verbrennt leicht, wenn sie freigestellt und dadurch der Sonne ausgesetzt wird. So wird sie krank- und stirbt lange vor ihrer Zeit ab.
- →Jede Baumart ist mit der ihr gemässen Flora und Fauna vergesellschaftet. Sie sind soziale Wesen, wie Tiere und Menschen und bilden zusammen die Waldgesellschaft. Sie stehen in engem Kontakt mit den Lebewesen im Boden. Das macht einen Wald als funktionsfähiges Ökosystem aus. Werden hier nun fremde Bäume eingepflanzt, hat das weitreichende Folgen für die gesamte Flora und Fauna und ebenso auf alle Bodenlebewesen.
- →Jeder Baum, jede Baumart, steht auf seinem baumtypischen Boden. So wachsen die Kastanien im Tessin auf Granit, und die Buchen in Schaffhausen auf Kalkböden. Auch wenn eine Kastanie die Hitze gut verträgt, wird sie im Kalk kaum heimisch werden.
- Siehe Die Weisheit der Wälder. Von Prof. Suzanne Simard
- →Was weiter nicht bedacht wird ist, dass alle Lebewesen ihren ureigenen Stoffwechsel haben. Diese Stoffe müssen sich nicht nur vertragen, sie müssen sich gegenseitig nähren.
Die nordamerikanische Roteiche gilt als klimafitt und will bei uns gepflanzt werden.
Nun ist bekannt, dass das Laub dieser Roteiche bei der Verrottung die Mikroorganismen und Mykorrhiza-Pilze unserer Waldböden schädigt. Diese Veränderung bewirkt, dass die «Keimung von Samen und das Wachstum von Sämlingen behindert wird». Überdies «kommt es zum Verlust von Wasserrückhaltevermögen im Boden und zum Abbau von organischem Kohlenstoff.»
aus: WALD WISSEN von Peter Wohlleben und Pierre L. Ibisch