Rechte der Natur
Die Natur ist belebt, sie ist lebendige Wirklichkeit und wir Menschen sind ein Teil davon.
Die Natur ist ein lebendiges Netzwerk aus Bäumen, Pflanzen, Tieren, Flüssen, und Seen. Aus Wind und Wolken, Erde, und Bergen. Aus Pilzen, Bodenlebewesen und vielem mehr. Die Liste an Lebensformen ist unendlich.
Wir - in unserem Kulturkreis - machen alles, was nicht menschlich ist, zum Objekt. Wir sprechen von Rohstoffen und Ressourcen, von Nutzwald und Nutztieren, von Wasserkraft und Windkraft.
In einer Sternstunde Religion spricht der Forstingenieur Ernst Zürcher von beseelter Natur: https://www.youtube.com/watch?v=jG7SCEnWtUg
Er berichtet vom Wald, der ein Eigenleben hat und gar ein Bewusstsein. Er erzählt von der Verbindung des Waldes mit dem Kosmos.
Für alle indigenen Völker ist dieses Wissen völlig selbstverständlich. Sie verstehen sich als Teil der Natur, als gleichwertig und gleichberechtigt. Sie verstehen sich sogar als Hüter und Hüterinnen der Erde und des Lebens.
Für uns ist das nicht so. Wir verstehen uns als Herrscher über die Natur.
Gehen wir deshalb häufig so rücksichtslos und auch zerstörerisch mit unserem Planeten um?

«Indigene haben etwas Geniales, etwas, dass wir jetzt brauchen!» Sagt Andreas Weber.
Rechte der Natur
Aus dem Bewusstsein heraus, dass alles Leben lebendig und damit gleichsam heilig ist, kämpfen viele Indigene Völker und UmweltaktivistInnen für die Rechte der Natur.
Ecuador:
Im Januar 2025 entschied das Verfassungsgericht von Ecuador, dass die marinen Küstenökosysteme eigene Rechte besitzen. Diese umfassen das Recht auf integrale Achtung ihrer Existenz, sowie auf Erhaltung und Regeneration ihrer Lebenszyklen, Strukturen, Funktionen und evolutionären Prozesse.
Diese Anerkennung der Rechte der Natur in Ecuador basiert auf dem indigenen Konzept des „Sumak Kawsay" oder „Buen Vivir", dass ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur betont. Dieses Lebenskonzept spiegelt sich in der Verfassung wider und stellt einen eigentlichen Paradigmenwechsel dar.
Neuseeland:
Im Jahr 2017 hat Neuseeland als eines der ersten Länder der Welt einem Fluss Rechte verliehen: dem Whanganui River.
Die Māori des Whanganui-Flusses haben eine unveräußerliche Verbindung mit und Verantwortung für den Fluss, seine Gesundheit und sein Wohlergehen: Sie sagen: "Ko au te Awa, ko te Awa ko au: Ich bin der Fluss und der Fluss ist ich".
Spanien:
Mit der Anerkennung der spanischen Salzlagune Mar Menor als Rechtsperson haben die 'Rechte der Natur' im Jahr 2022 in Europa Einzug gehalten – wenn auch erst nach tiefgreifenden ökologischen Schädigungen des Gewässers.
Deutschland:
Das Netzwerk Rechte der Natur Deutschland und die Initiative Volksbegehren Rechte der Natur in Bayern bereitet aktuell eine strategische Verfassungsbeschwerde vor. Im Mittelpunkt steht die Loisach, ein Fluss in Oberbayern, an dem ein zehnjähriges Kind aufwächst. Der Bau des Schachtkraftwerks Großweil bedroht diesen vertrauten Naturraum. Die Beschwerde macht sichtbar, dass die Natur im deutschen Recht bislang keine eigenen einklagbaren Rechte hat. https://www.rechte-der-natur.de/de/aktuelles-details/loisach-verfassungsbeschwerde.html
Schweiz:
2023 reichte die Grüne Marionna Schlatter zusammen mit fünf weiteren Nationalräten eine Initiative ein, die das Recht auf gesunde Umwelt im Grundrecht verankern und die Rechte der Natur stärken wollte, indem die Natur mindestens partiell der Status eines Rechtssubjekts zugesprochen werden sollte.
Diese Initiative ist mit 87 zu 101 Stimmen gescheitert. Nur 15 Stimmen fehlen noch bis eine Mehrheit erreicht ist.
Paradigmenwechsel:
Diese Beispiele zeigen, dass es Zeit ist, einen Schritt weiterzugehen, wenn wir weiterkommen wollen. Um eine gute Gegenwart für uns und eine gute Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder zu haben, brauchen wir in unserer Kultur einen Paradigmenwechsel vom Nutzobjekt zum Rechtssubjekt, von der Ressource zum beseelten Mitgeschöpf, von der gleichwertigen Beziehung Ich Mensch - Du Baum, Ich Mensch - Du Tier.